NEWS 2009 - Freiwillige Feuerwehr Unterwössen


04/09 - Gas tritt aus - Autos brennen

Besorgniserregend mag es den Menschen in Unterwössen und Umgebung schon vorgekommen sein, als dieser Tage stundenlang Feuerwehrfahrzeuge und Rettungswagen mit Martinshorn und Blaulicht durch den Ort fuhren.

Eng orientiert an der Wirklichkeit übten die Feuerwehrler die Arbeit nach einem schweren Verkehrsunfall. Die Annahme: Ein Fahrzeug hat sich überschlagen, zwei Personen sind im Fahrzeug eingeklemmt und müssen von der Feuerwehr befreit werden. Die Beifahrertüre wird mit der Rettungsspreize geöffnet, damit die Sanitäter an den Verletzten herankommen und mit der Erstversorgung beginnen können. Foto VolkFeuerwehrler legten eilig Schläuche aus, liefen ausgerüstet mit Atemschutzgeräten in verrauchte Gebäude und Sanitäter verschwanden mit Notfallkoffern und Tragen in Häusern. Schlimmes geschehen war nicht. Eine gemeinnisvolle Unglücksserie war nicht der Grund für das geballte Auftreten der Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdiensten, sondern ein Übungstag der Feuerwehren im Achental, dem Inspektionsbereich «Traunstein Land 2».Insgesamt 140 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, davon 110 Feuerwehrler aus Grassau, Rottau, Unterwössen, Oberwössen, Reit im Winkl, Schleching, Staudach-Egerndach, Übersee und Bergen, 20 Rot-Kreuz-Helfer sowie Polizei, Übungsbeobachter und Verletztendarsteller nahmen daran teil. An verschiedenen Stellen im Ortsgebiet wurden Notfallsituationen wirklichkeitsnah in Szene gesetzt. Aufgabe der Rettungskräfte war es, auf Alarm oder Anforderung hin zu den verschiedenen Unglücksorten zu fahren und dort schnelle Hilfe zu leisten. Was die Helfer erwartete, wurde vorab streng geheim gehalten. Erst als die Rettungs- und Löschtrupps an den Unfallstellen ankamen, erfuhren sie, um welche Art von Notfall oder Unglück es sich handelte.
Die Aktiven der Feuerwehr Unterwössen als Organisatoren des Übungstages und mit ihnen die Gruppe für Realistische Unfalldarstellung des Malteser Hilfsdienstes machten es den Übenden keineswegs leicht. Sechs verschiedene Notfallsituationen wurden nachgestellt.
Angenommen wurde unter anderem ein Chlorgasaustritt im Hallenbad. Dabei wurde eine Person «verletzt», die von Feuerwehrlern in speziellen Chemieschutzanzügen aus dem Gefahrenbereich gerettet werden musste. Aufgabe der Floriansjünger war es auch, ein weiteres Austreten des «gefährlichen Gases» zu stoppen und es «unschädlich» zu machen. Geübt wurden auch die Maßnahmen zur Dekontamination, die unter anderem darin bestanden, dass die Feuerwehrler in ihren Schutzanzügen geduscht und damit der «Giftniederschlag» abgewaschen wurde.
Aus misslicher Lage zu retten war ein Gleitschirmflieger, der sich in einem Mast der Balsbergbahn verfangen hatte und dabei «verletzt» wurde. Schauplatz eines weiteren nachgestellten «Unfalls» war das Ableitungsbauwerk zum Hochwasserschutz in der Ortsmitte. Das Bauwerk nutzte ein Skateboarder als Spielplatz und «verstauchte» sich dabei den Fuß. Der Mann musste aus der Tiefe der Ableitungsröhre mit Hilfe der Hubrettungsbühne der Feuerwehr Grassau gerettet werden.
In der Kiesgrube südlich des Segelflugplatzes wurden verschiedene Verkehrsunfälle nachgestellt. Mehrere Fahrzeuge «prallten zusammen, überschlugen sich und gerieten auch in Brand». Dabei wurden mehrere Menschen «schwer verletzt» und teilweise in den Fahrzeugen eingeklemmt. Die Feuerwehr musste Rettungsschere, Rettungszylinder und Spreizgerät einsetzen, um die Personen zu befreien. Und die Sanitäter von Feuerwehr und Bayerischem Roten Kreuz versorgten die «Schwerverletzten».
Auch die Suche nach einer Person, die nach einem Verkehrsunfall «vermisst» war und im Auwald der Tiroler Ache «umherirrte», war Teil des Übungseinsatzes. Andernorts mussten Atemschutzträger der Feuerwehr mehrere Personen aus einer «brennenden Lagerhalle» retten. Mehrere Feuerwehren arbeiteten zusammen, um den Großbrand unter Kontrolle zu bringen.
Kreisbrandinspektor Georg König, Initiator des Übungstages, zog am Ende eine insgesamt positive Bilanz des Übungstages und der gezeigten Leistungen, verschwieg aber auch nicht, dass es in gewissen Bereichen, zum Beispiel bei der Kommunikation über Funk oder der Übermittlung von Lagemeldungen, zu Problemen gekommen sei. Die Übungen hätten gezeigt, dass die Feuerwehren insgesamt bestens ausgebildet seien und gute und professionelle Hilfe leisteten.
Unterwössens Zweiter Bürgermeister Bartholomäus Irlinger, der die Übungen beobachte, zeigte sich begeistert vom Engagement der Floriansjünger. «Die Feuerwehren leisten unverzichtbar wertvolle Dienste für das Gemeinwesen und sind rund um die Uhr bereit Menschen in Not zu helfen. Dies verdiene höchsten Respekt.»
Jakob Blösl, Leiter der Polizeiinspektion Grassau sagte, die Polizei sei in verschiedensten Einsätzen ohne die Hilfe der Feuerwehren und Rettungsdienste «schlichtweg aufgeschmissen.» Er forderte die Feuerwehrler auf, bei realen Alarmen besonders auf der Fahrt von der Wohnung zum Feuerwehrgerätehaus vorsichtig und bedacht zu fahren. Besonders dabei komme es immer wieder zu schweren Unfällen. Das Motto müsse lauten: «Langsam, es pressiert!» pv

Bericht der Chiemgau Zeitung vom 25. April 2009